Das war nicht weiter ungewöhnlich, doch irgendwann drehte die Phantasie mit ihr durch,
reiste einfach ab, und war weg.
Wir haben sie lange nicht wieder gesehen.
Irgendwannanders stand sie am nachmittag vor der Tür unterm Balkon, vorne, und schaute, zur Seite gebeugt, durchs Fenster.
Die angeblichen Verblendungen anderer schienen vergessen, dachten wir. Die Augen waren klar, so hatte man das noch nicht gesehen.
Es war Kuchenzeit, und wir schauten uns gerade die Geranien an, die noch innen auf dem Fensterbrett standen, die nachher draußen am Plattenweg weiterwachsen würden, da erschien ihr Gesicht.
Ich habe in solchen Fällen keine besondere Reaktion.
Nach einem kleinen Moment schweigen und schauen sagte ich: hi.
Sie zögerte einen Augenblick, setzte leicht zu sprechen an und nickte dann klein, aber mit großen Augen und angefalteter Stirn.
Sie stand unbeweglich da, dann griff ihr Arm in die Umhängetasche und leuchtete mit einer größeren Taschenlampe durchs Fenster.
„Ist noch jemand anders da, oder seid ihr die einzigen?“
„Wir erwarten noch jemand, aber frühestens in einer halben stunde. Die Tür ist auf, oder sollen wir rauskommen?“
„Ja.“
Jeder griff sich einen Blumenkasten und einen –topf, wir sahen uns an, als ich mit dem Rücken die Tür aufdrückte, dann wurde es dunkel und das Haus stand woanders.
Eine Holzlatte steckte neben uns im Boden.
Sie machte einen Sprung und trat das Ding um.
„Wohin gehen wir?“, fragte ich sie.
„Ach ja, Eloise, das ist Katja , kark kark.
Katja, Eloise.
Katja du kommst spät.“
Die Tage vergingen in Richtungen, die Katja angab.
Eloise verstand nach und nach einiges.
Ich stand irgendwo dazwischen.
Wir bemühten uns.
„Aber irgend jemand muß doch alles retten.“
„Es muß gar nichts gerettet werden, das haben sich die Frigos ausgedacht.
Los, weiter.“
„Du bist herzlos.“
„Dann rette mich.“
Sie stapften weiter durch den Schnee. Ab und zu landete ein Tritt auf etwas glitschigem, das zu leben schien, aber alles ging zu schnell.
„Verwüsten sie nicht uns und unsere Sonnenstadt.“
Sie schauten hoch, wie Gleimbart auf Katja zuschwebte.
„Schon wieder dieser Spießer.
Können sie uns nicht in Ruhe lassen.
Welche Sonnenstadt überhaupt?“
„Da sieht man es wieder: keine Ahnung, aber das große Wort schwingen.
Die Stadt ist unter dem Schnee. Hoffentlich war niemand auf den Straßen.
Meistens sind alle sehr gewissenhaft und vorsichtig...“
„Müssen Verwandte von ihnen sein.“
„Wenn man so will, ja.“
„Lass uns weiter gehen, das ist mir zu anstrengend.“
„Meinen sie immer noch, dass Rettung nicht nötig ist.“
„Ja, wen denn retten. Morgen sind andere da.“
„Daran werde ich sie beizeiten erinnern, wenn es um ihren Kopf geht.“
„O.k., nicht schlecht für den Anfang. Hat der Unfug jetzt ein Ende?
„Ich rate ihnen, gehen sie wenigstens die kleinen Umwege, zwischendurch, nur die, die ihnen nicht zu hell scheinen. Sonst bleichen sie aus.“
„Oh mann, das reicht. Kommt.“
„Warum?“
„Kann mir jemand verraten, was hier eigentlich läuft?“
Wir sahen Eloise mit einem Ruck an:
„Schwer zu beschreiben, weiß ich nämlich auch nicht so ganz, oder wie sieht das aus?
Ich würde sagen: einfach zukucken, dabei sein, und ein bißchen Feingefühl.
Dann geht´s ganz gut.“
Thursday, November 6, 2008
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